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Bergbaugeschichte - Sankt Andreasberg Drucken E-Mail
Geschrieben von Wilfried Ließmann   
Beitragsinhalt
Bergbaugeschichte - Sankt Andreasberg
Zweite Betriebsperiode 1650 - 1756
Dritte Betriebsperiode bis 1910

Zur Bergbaugeschichte des Sankt Andreasberger Reviers

Ob es in Sankt Andreasberg bereits im Mittelalter bergbauliche Aktivitäten gegeben hat, ist spekulativ. Lediglich für das Odertaler Revier (östlich von Sankt Andreasberg) kann dieses in Betracht kommen. Die erste urkundliche Erwähnung des Bergbaus am "andrew berge" liegt aus dem Jahre 1487 vor. So konnte 1987 das 500jährige Bestehen der Bergstadt feierlich begangen werden.

Ein andauernder Bergbaubetrieb entwickelte sich erst rund 30 Jahre später, als 1520 "in einer Klippe am Beerberge ein handbreiter Gang mit Glanzertz und reichhaltigen Nestern Rotgülden angeschlagen ward", wie es in einem zeitgenössischen Bericht heißt. Als diese ersten lohnende Silberfunde zukünftigen "Bergsegen" versprachen, erließen die Hohnsteiner Grafen für ihr Territorium nach sächsischem Vorbild eine Bergfreiheit (1521, wiederholt 1527), um Fachkräfte ins Land zu holen. Die Nachricht von den neu entdeckten Silbererzgänge führte bald zu einer regen Einwanderung von Bergleuten aus dem sächsischen und böhmischen Erzgebirge, z.B. aus Sankt Joachimsthal (heute Jachymov), wo der Bergbau damals in einer Krise steckte. Das "große Berggeschrei", wie man zeitgenössisch die Nachricht von bedeutenden Silberfunden nannte, zog nun scharenweise Menschen in die rauhe Wildnis der Berge, wo zunächst ziemlich planlos geschürft wurde. Das was sich dort damals abspielte, läßt sich wohl am treffendsten mit dem Wort Silberrausch beschreiben. Bei den vielen kleinen Zechen "oben auf dem Berg" gab es nur kleine primitive Behausungen. Wohnsitz der Bergbevölkerung, wie auch Sitz der Verwaltung war zunächst der nahe am Harzrand gelegene Flecken Lauterberg.

Mit dem Erlass einer Bergordnung (1528), die den Betrieb der Gruben rechtlich regelte und der Einrichtung eines Bergamtes als Aufsichtsbehörde gerieten Leben und Arbeit in geordnete Bahnen. Es begann eine lange, sehr wechselvolle Montangeschichte, in deren Mittelpunkt stets das begehrte Münzmetall Silber stand. Direkt bei den Gruben entstand eine feste Siedlung, benannt nach dem heiligen Andreas, dem Schutzpatron der Mansfelder Bergleute. 1537 erhielt sie Stadtrechte und wurde bekannt als eine der sieben freien Oberharzer Bergstädte. Wenige Jahre später umfasste der Ort bereits 300 Häuser, gleichzeitig standen 116 Zechen im Betrieb.

hist_koch_riss_1606

Koch Riss - St. Andreasberg 1606

Um 1570, als der Silberbergbau seine erste große Blütezeit erlebte, wohnten 7000-8000 Menschen in der Bergstadt. Die Gruben wurden von Gewerkschaften betrieben. Das Kapital kam von privaten Investoren etwa aus Halberstadt, Hildesheim, Magdeburg, Lüneburg, Leipzig und Hamburg, die sich vom Silberbergbau hohe Renditen versprachen. Den reichen Anbrüchen auf den steil einfallenden Erzgängen folgend, hatten einige Schächte Ende des 16. Jahrhunderts bereits Tiefen von 80-100 m erreicht. Zur Ableitung der zufließenden Grundwässer wurden von den Tälern her frühzeitig Stollen in Angriff genommen, die auch zur Erkundung der Erzgänge dienten:

  • St. Johannes Stollen: 1529 im Wäschegrund angesetzt; Gesamtlänge etwa 1450 m
    (auf Morgenröther-, Jacobsglücker-, und Reiche Troster Gang)
  • Edelleuter Stollen: 1534 im Wäschegrund angesetzt; Gesamtlänge etwa 1760 m
    (auf Edelleuter-, Andreaskreuzer-, und Morgenröther Gang)
  • St. Jacobsglücker Stollen: um 1534 am Beerberg angesetzt, Gesamtlänge ca. 1000 m
    (auf Jacobsglücker- und Reiche Troster Gang)
  • St. Annen Stollen: um 1533 am Beerberg angesetzt, Gesamtlänge etwa 530 m
    (auf Reiche Troster- und Redensglücker Gang)
  • Spötter Stollen: 1536 im Samsoner Grund angesetzt; Gesamtlänge 1280 m
    (auf Felicitaser-, Gnade Gotteser- und Samsoner Gang)
  • Fürstenstollen: um 1533 im Andreasberger Tal angesetzt, Gesamtlänge 500 m
    (auf Felicitaser- und Gnade Gotteser Gang)

Unterhalb dieser Stollen setzten Wasserschwierigkeiten dem weiteren Vordringen des Bergbaus bald ein Ende. Zum effektiven Betrieb von Pumpenkünsten fehlte es an genügend Aufschlagwassern. (siehe Wasserwirtschaft)

Angesicht nachlassender Ausbeuten zogen viele Kapitalgeber ihr Geld ab. Eine Zeche nach der anderen wurde aufgelassen. Die Bergleute, die nun vielfach ohne Arbeit dastanden, "verliefen sich" wieder, d. h. sie zogen fort in andere Bergbaureviere. Schon 1575 erzielten von den 39 hier bauenden Gruben nur noch 2 einen überschuss. Elend und Not prägten Ende des 16. Jahrhunderts das Leben in der Bergstadt. 1577 und 1596 dezimierten Pestepidemien die schlecht ernährte Bevölkerung auf weniger als 2000 Seelen. Als der 30-jährige Krieg in den 1620er Jahren den Harz erreichte, lagen bereits alle Gruben brach. Mehr schlecht als recht lebten die Menschen von Waldarbeit, Köhlerei oder Holzhandwerk. Einige versuchten ihr Glück als Eisensteiner auf den Gruben im oberen Siebertal. Allein aus dieser ersten Betriebsperiode, die von 1520 bis 1620 dauerte, sind die Namen von 267 Gruben überliefert!



Letzte Aktualisierung ( 28. 02. 2008 )