*05. 02. 2012
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Die Andreasberger Erzgänge Drucken E-Mail
Geschrieben von Wilfried Ließmann   
Beitragsinhalt
Die Andreasberger Erzgänge
Andreasberger Mineralien
Parageneseschema St. Anderasberg

Die Erzgänge und Mineralien von Sankt Andreasberg

Die Struktur der Sankt Andreasberger Lagerstätte geht recht anschaulich einem von WILKE (1952) erstellten Blockbild hervor. Das Gangrevier hat die Form eines Ost-West gestreckten Dreiecks, dessen größte Länge 6 km und dessen mittlere Breite etwa 1 km beträgt. Charakteristisch hierfür ist eine Ruscheltektonik mit ausgeprägten Auf- und überschiebungen. Ruschel ist ein alter Harzer Bergmannsausdruck für eine größere nicht mineralisierte Störung, die nur zerriebenes ("verruscheltes") Nebengestein und zum Teil auch Lettenton enthält. Die Bergleute sprachen wegen der geringen Standfestigkeit des Gesteines auch von "Faulen Ruscheln".

Innerhalb des nach Osten hin offenen Ruschelkeils setzen mehr als 20 Erzgänge auf. Im Norden bildet die etwa 70-80 Grad streichende, nach Süden einfallende Neufanger Faule Ruschel die Reviergrenze. An ihr wurden die Devonschichten der St. Andreasberger Scholle etwa 500 m weit auf die kulmische Siebergrauwacke aufgeschoben. Im Süden schneidet die 100-110 Grad streichende, steil nach Südosten einfallende Edelleuter Ruschel alle anderen Störungen ab und stellt die Grenze zur großen Diabasmasse des Matthias-Schmidt-Berges dar. An ihr fanden komplizierte, meist abwärts gerichtete Bewegungen mit bis zu 400 m Sprunghöhe statt. Wenn auch nicht die Mineralisation, so war doch die Anlegung der Bruchstrukturen eng mit der Platznahme des Brockengranits verbunden.

Innerhalb des Ruschelkeils bildeten sich Nordwest-Südost streichende Scherklüfte, die anfangs geschlossen waren, sich aber öffneten, als die Südscholle längs der Edelleuter Ruschel absank. Die geöffneten, steil nach Nordosten einfallenden Bruchspalten bildeten später die Aufstiegsbahnen für heiße Erzlösungen, die unter bestimmten Bedingungen ihre komplexe Metallfracht in vorhandenen Hohlräumen ausschieden. Durch ihre stauende Wirkung trugen die vorhandenen Ruschelflächen maßgeblich zu einer Konzentration der Vererzung auf verhältnismäßig engem Raum bei.

Verglichen mit den bis 10 m breiten Erzgängen des westlichen Oberharzes, weisen die Andreasberger Gänge nur geringe mächtigkeiten von 0,1-3 m auf. Für die abgebauten Gänge kann ein Durchschnittswert von 0,4 - 0,5 m angenommen werden. Von den etwa 15 wirtschaftlich interessanten Gängen waren der etwa 1,2 km lange Samson-Andreaskreuzer-Gangzug und der 1,5 km lange Dorotheer Jacobsglücker-Gangzug die Auf dem bis 1910 gebauten Samsoner Hauptgang traf man noch in 800 m Tiefe Silberreicherzfälle an.

Die Mineralisation war kein einmaliges Ereignis, sondern erfolgte mehrphasig, unterbrochen durch tektonische Bewegungen, in deren Folge alte Mineralauscheidungen zerbrachen, zum Teil wieder aufgelöst und durch neue ersetzt wurden.

geologie_blockbild_nach_wilke_transp

Blockbild zur Tektonik der St. Andreasberger Lagerstätte ("Ruschelkeil")
(nach WILKE, 1952)

Der Keil ist staffelförmig nach Osten gegen den Brockengranit abgesunken.
Neufanger Ruschel = Aufschiebung;
Edelleuter Ruschel = Auf- später Abschiebung;
RG = Ruschelgänge (Diagonal-Blattverschiebungen)
SG = Spaltengänge (Abschiebungen)



Letzte Aktualisierung ( 28. 02. 2008 )